Die Top 10 B2B-Shopsysteme im Vergleich

Welche E-Commerce-Lösung passt wirklich zu Ihrem Unternehmen? Vom flexiblen Mittelstands-Allrounder Shopware 6 über standardisierte SaaS-Modelle wie Shopify Plus bis hin zu den Komplexitäts-Riesen SAP und Salesforce: Wir haben die führenden Anbieter für Sie unter die Lupe genommen. Erfahren Sie, wie Sie Architektur, Kosten und B2B-Features perfekt abwägen.

14. Juli 2026
Menschen an einem Konferenztisch, die B2B Shopsysteme vergleichen

Welche E-Commerce-Lösungen gibt es auf dem Markt und welche B2B-Funktionen bringen diese mit? Welches System eignet sich für welche Art von Unternehmen? Und halten die E-Commerce-Lösungen der Platzhirsche in den Bereichen ERP und CRM auch mit dem technologischen Fortschritt im Onlinehandel mit?

Wir haben für Sie die führenden Anbieter für B2B-E-Commerce-Systeme unter die Lupe genommen. Finden Sie den B2B Onlineshop, der zu Ihrem Unternehmen passt!

B2B-Shopsysteme vergleichen: Die wichtigsten Auswahlkriterien 

Es gibt eine Vielzahl verschiedener Shopsysteme für den B2B E-Commerce auf dem Markt. Die meisten Enterprise-Shopsysteme bieten heute alle wesentlichen B2B-Standardfunktionen

Die eigentliche Entscheidung fällt daher nicht anhand einzelner Features, sondern anhand von Architektur, Erweiterbarkeit, Integrationsfähigkeit, Betriebsmodell, Total Cost of Ownership (TCO) und der Frage, wie gut sich individuelle Geschäftsprozesse abbilden lassen. 

Fragen, die Sie sich beim Shopsystem-Vergleich stellen sollten:

  • Welche B2B-Funktionen sind nativ vorhanden?

Die meisten Enterprise-Shopsysteme decken heute die wichtigsten B2B-Anforderungen ab. Unterschiede bestehen vor allem darin, welche Funktionen bereits im Standard enthalten sind und welche erst durch Erweiterungen oder Individualentwicklungen umgesetzt werden müssen. 

  • Wie flexibel lassen sich Prozesse anpassen?

Während Shopware 6 einen guten Mittelweg aus Standard und Individualisierung bietet, setzen commercetools oder Spryker auf maximale Flexibilität. Shopify Plus verfolgt dagegen einen stärker standardisierten SaaS-Ansatz. 

  • Welches Betriebsmodell passt zu Ihrem Unternehmen? 

SaaS-Lösungen wie Shopify übernehmen Hosting und Wartung vollständig. Self-Hosted-Lösungen wie Shopware bieten mehr Kontrolle und Individualisierung, erfordern aber auch mehr Verantwortung im Betrieb. 

  • Wie gut integriert sich das System in Ihre IT-Landschaft?

Achten Sie auf Schnittstellen zu ERP, CRM und PIM sowie eine moderne API-Architektur. Gerade bei komplexen B2B-Prozessen ist die Integrationsfähigkeit ein entscheidender Erfolgsfaktor. 

  • Wie hoch sind die langfristigen Kosten?

Vergleichen Sie nicht nur Lizenzkosten, sondern auch Implementierungs-, Betriebs- und Wartungsaufwand sowie die Kosten für zukünftige Weiterentwicklungen. 

Kostenkalkulation für Ihr B2B-Shop-Projekt

Die 10 wichtigsten B2B Shopsysteme im Überblick

Wir haben zehn der gängigsten B2B-Onlineshop-Systeme verglichen. Als Basis dafür dienten neben unserer jahrelangen Erfahrung als E-Commerce-Agentur die Untersuchungen von Gartner (“Gartner Magic Quadrant for Digital Commerce”, Oktober 2025) und Forrester (“The Forrester Wave™: B2B Commerce Solutions, Q2 2026”).

Shopware

Vom lokalen Marktführer zum globalen Visionär

Shopware hat seine Wurzeln im deutschsprachigen Raum, treibt die internationale Expansion mittlerweile jedoch massiv und sehr erfolgreich voran. Diese Entwicklung spiegelt sich auch bei den Analysten wider: 

Im Magic Quadrant von Gartner hat Shopware den Sprung geschafft und wird dank seiner starken technologischen Ausrichtung mittlerweile als "Visionary" eingestuft. Da das System im DACH-Raum ohnehin zu den absoluten Marktführern gehört, darf es in diesem Ranking natürlich nicht fehlen.

Architektur und Editionen im Überblick

Mit der Architektur von Shopware 6 hat sich der E-Commerce-Anbieter auf die Fahnen geschrieben, moderne, emotionale Online-Einkaufs-Erlebniswelten mit einem hochflexiblen API-first-Ansatz zu vereinen. 

Wie bei vielen Systemen steht eine kostenlose Open-Source-Version (Community Edition) zur Verfügung. Während diese in ihrer reinen Standardausführung für den komplexen B2B E-Commerce oftmals nicht ausreicht, bietet sie technologisch betrachtet ein extrem starkes Fundament, das sich gezielt für den Geschäftskundenbereich aufrüsten lässt.

Ein Beispiel für die Nutzung dieser Flexibilität ist die B2B-Lösung TradelinePro. Das System setzt bewusst auf der Shopware Community Edition auf und erweitert diese technologisch um die tiefgreifenden B2B-Features, die für den industriellen Handel relevant sind. 

Für mittelständische Unternehmen bietet dieser Ansatz den großen Vorteil, eine vollumfängliche, auf B2B zugeschnittene Plattform nutzen zu können, ohne zwingend die hohen laufenden Lizenzkosten der Shopware Enterprise-Editionen tragen zu müssen.

B2B E-Commerce mit Shopware

TradelinePro macht komplexe B2B Geschäftsprozesse einfach und effizient.

Maximale Flexibilität durch Composable Commerce

Dank des API-first-Ansatzes (Composable Commerce) lässt sich Shopware extrem flexibel anpassen. Drittsysteme (wie ERPs, PIMs oder spezielle KI-Tools) können über dafür vorgesehene Schnittstellen an- und abgedockt werden. 

Zudem fungiert Shopware als Omnichannel-Zentrale, über die sich neben dem eigenen Onlineshop auch Marktplätze, B2B-Portale und D2C-Kanäle über eine einzige Plattform steuern lassen.

Fazit

Mit Shopware 6 erhalten B2B-Unternehmen ein flexibles und zukunftssicheres Shopsystem, das Usability und komplexe Geschäftslogik hervorragend vereint. Eine sehr lebhafte Entwickler-Community und der Fokus des Anbieters auf Automatisierung und "Agentic Commerce" machen Shopware zu einer der innovativsten Plattformen für den B2B-Handel.

Shopify vs. Shopware – welches Shopsystem ist besser?

Shopify (Plus)

Führend im D2C, aber an den Grenzen im komplexen B2B-Sektor

Im Magic Quadrant von Gartner ist Shopify führend und wird insbesondere für seine herausragende Umsetzungsfähigkeit („Ability to Execute“) oft ganz oben positioniert. Auch Forrester stuft die E-Commerce-Plattform bei Enterprise-Lösungen durchgehend als „Leader“ im D2C-Segment ein und bewertet das System zudem als stark aufholenden Player im B2B-Bereich. 

Aus unserer Erfahrung in Digitalisierungsprojekten für den B2B-Mittelstand zeigt sich jedoch, dass Shopify Plus bei komplexen Geschäftsprozessen und individuellen Anforderungen häufig an seine Grenzen stößt. 

»Shopify bewirbt mit "Shopify Plus" eine grundsätzlich B2B-fähige Lösung. In bestimmten Szenarien mag diese Selbstbeschreibung durchaus zutreffen. In der Praxis fehlen jedoch viele wesentliche Funktionen für die komplexen E-Commerce-Anforderungen mittelständischer B2B-Unternehmen.«
Sebastian Maurer
Geschäftsführer von digital.manufaktur

Eingeschränkte Individualisierung durch Standard-Prozesse

Ein wesentliches Problem ist die standardisierte SaaS-Struktur („All-in-One“-Lösung). B2B-Prozesse erfordern oft hochspezifische Workflows. Zu den essentiellen, aber oft nur schwer umsetzbaren B2B-Features gehören:

  • Mehrstufige Preisstrukturen und kundenindividuelle Preislisten

  • Spezifische Freigabe- und Bestellprozesse (z. B. Angebotsanfragen oder Bulk-Bestellungen)

  • Rollenbasierte Kundenkonten und detaillierte Berechtigungen

  • Tiefgreifende System-Anbindungen: Nahtlose ERP- und CRM-Integrationen

Datenhoheit und Compliance als Risiko

Interessant ist die rein cloudbasierte Architektur von Shopify, die als Software-as-a-Service (SaaS) bereitgestellt wird. Der klare Vorteil: Das Hosting, die Server-Wartung und Sicherheitsupdates werden komplett vom Anbieter übernommen. 

Zudem sorgt die enorme Skalierbarkeit dafür, dass der Shop selbst bei extremen Traffic-Spitzen (wie am Black Friday) stabil läuft – Unternehmen erhalten hier oberflächlich ein „Rundum-Sorglos-Paket“ ohne eigenen IT-Betriebsaufwand.

Diesem Komfort stehen im B2B-Umfeld jedoch gravierende infrastrukturelle Risiken gegenüber. Zusätzlich birgt das geschlossene SaaS-System von Shopify für etablierte B2B-Akteure gewisse Risiken bei der Datenkontrolle und Integration. 

Ein kritischer Punkt ist hierbei die Datenhoheit: Da die gesamte Software-Infrastruktur in einer fremden Cloud liegt, geben Unternehmen die absolute Kontrolle über ihre Systemumgebung und oftmals sensible Geschäftsprozesse ab. Sicherheits- oder Performance-Probleme aufseiten von Shopify lassen sich nicht eigenständig beheben. 

Zudem schränkt das Modell die Flexibilität massiv ein: Da keine tiefen Server- oder Core-Anpassungen möglich sind, geraten notwendige Individualisierungen für komplexe B2B-Infrastrukturen schnell in eine technologische Sackgasse.

»Alle Daten und der Programmcode befinden sich auf den Servern des Anbieters oder bei externen App-Entwicklern“. Der Beitrag warnt zudem vor einem drohenden Vendor-Lock-in. Für hochkomplexe B2B-Unternehmen mit strengen Compliance-Anforderungen kann es daher entscheidend sein, flexible Alternativen (wie Open-Source- oder hoch anpassbare API-Lösungen) sorgfältig abzuwägen.«
Sebastian Maurer
Geschäftsführer von digital-manufaktur

Fazit

Shopify (Plus) bietet ein agiles und wartungsfreies SaaS-Shopsystem mit starken Wurzeln im D2C-Bereich. Für Unternehmen, die eine hochskalierbare Handelslösung für standardisierte Prozesse mit schnellstmöglicher Time-to-Market suchen und sich nicht mit dem Betrieb der IT-Infrastruktur belasten wollen, ist die Plattform attraktiv.

Im komplexen B2B-Umfeld zeigt dieser standardisierte SaaS-Ansatz jedoch deutliche Nachteile. Sobald hochspezifische Workflows, komplexe Preisstrukturen oder tiefe ERP-Integrationen gefordert sind, stößt das System schnell an seine Grenzen. 

Die fehlende tiefe Individualisierbarkeit muss dann oft durch ein unübersichtliches Konstrukt aus unzähligen Drittanbieter-Apps kompensiert werden – was Komplexität, Kosten und Fehleranfälligkeit massiv in die Höhe treibt. 

Zudem begeben sich Unternehmen durch das geschlossene Ökosystem in eine starke Abhängigkeit (Vendor-Lock-in) und geben einen kritischen Teil ihrer Datenhoheit aus der Hand. Wer also tiefgreifende, maßgeschneiderte B2B-Prozesse sicher und zukunftsfähig abbilden muss, sollte sich nach flexibleren Alternativen umsehen.

Mehr zu Shopify Plus

Adobe Commerce (ehemals Magento)

Führend durch die Verbindung von Content und Commerce

Im Magic Quadrant von Gartner ist Adobe Commerce weiterhin führend. Auch Forrester stuft die E-Commerce-Plattform bei Enterprise-Lösungen regelmäßig als „Strong Performer“ ein. 

Während das System in älteren Forrester-Studien noch der absolute Spitzenreiter war, ordnet es sich in aktuellen B2B-Untersuchungen knapp hinter hochagilen oder tief integrierten Systemen (wie commercetools, Salesforce oder SAP) ein. 

Seine absolute Stärke spielt Adobe heute vor allem dann aus, wenn Commerce tief mit Content und Personalisierung (Adobe Experience Cloud) verschmolzen werden soll.

Umfangreiche native Features für den B2B-Sektor

Adobe Commerce ist weltweit in den unterschiedlichsten Branchen gut vertreten. Während die Open-Source-Version für den komplexen B2B E-Commerce eher uninteressant ist, bietet die kostenpflichtige Version von Adobe Commerce eine Vielzahl an nativ integrierten B2B-Funktionen.

Geschäftskund:innen können ihre Unternehmenskonten selbst über benutzerfreundliche Kundenportale verwalten. Diese verfügen über speziell auf B2B-Einkäufer:innen zugeschnittene Features wie:

  • Kundenspezifische Produktkataloge, Preise und Promotions

  • Mehrere Käuferebenen mit spezifisch zuweisbaren Rollen und Berechtigungen

  • Einsicht in Echtzeitbestände, Angebote und Bestellhistorien

  • Definition von Genehmigungs-Workflows vor dem Kauf

  • Überwachung von Budgets

  • Formulare zur Schnellbestellung und Upload von SKU-Listen

Darüber hinaus ist Adobe Commerce bekannt für die Vielzahl an konfigurierbaren Funktionen, die sich durch ein riesiges Ökosystem an Extensions an individuelle Anforderungen anpassen lassen.

Fazit 

Adobe Commerce bietet ein etabliertes Shopsystem mit umfangreichen B2B-Funktionen und einem extrem starken Content-Fokus. Unternehmen, die eine robuste Handelslösung suchen und über die entsprechenden Entwickler-Ressourcen verfügen, profitieren hier von nahezu grenzenlosen Anpassungsmöglichkeiten.

Gleichzeitig bringt dieses mächtige System jedoch konzeptionelle Hürden mit sich: Die Architektur gilt im Vergleich zu modernen API-first-Plattformen als vergleichsweise schwerfällig und komplex. Tiefgreifende Individualisierungen sowie die notwendigen System-Upgrades erfordern fortlaufend ein hohes Maß an spezialisiertem technischem Know-how. 

Dies treibt nicht nur die Time-to-Market, sondern langfristig auch die Total Cost of Ownership (TCO) spürbar in die Höhe. Da der Wartungs- und Betriebsaufwand – selbst im PaaS-Modell – kontinuierlich eigene oder externe Entwicklerkapazitäten bindet, ist das System für Unternehmen, die eine agile, schlanke und wartungsarme Lösung bevorzugen, oftmals überdimensioniert.

Salesforce B2B Commerce Cloud

Absoluter „Leader“ unter den Enterprise-Lösungen

Mit der Salesforce B2B Commerce Cloud bietet der etablierte CRM-Weltmarktführer eine hochgradig ausgereifte B2B-Shop-Lösung an, die sowohl von Gartner als auch von Forrester durchgehend als absoluter „Leader“ unter den Enterprise-Shopsystemen bewertet wird.

CRM-Zentrierung und smarte B2B-Features

Die Software basiert nativ auf der Kernplattform von Salesforce und verfolgt den stark CRM-zentrierten Ansatz des Unternehmens (Customer 360). Dieser Ansatz bringt entscheidende Vorteile und tiefgreifende Funktionen mit sich:

  • Nahtlose Datenbasis: Da Commerce, Vertrieb und Kundenservice auf dieselbe Datenbank zugreifen, entfallen fehleranfällige Schnittstellen.

  • Abbildung komplexer Account-Strukturen für mehrschichtige B2B-Organisationen.

  • Kundenspezifische Kataloge und die Hinterlegung individueller Rahmenverträge.

  • Künstliche Intelligenz „Einstein“: Ein massiver Fokus liegt auf der nativen KI, die personalisierte Einkaufserlebnisse und automatisierte Produktempfehlungen auf Consumer-Niveau ermöglicht.

Echtes SaaS-Modell für eine schnelle Time-to-Market

Die Commerce Cloud wird als echtes Software as a Service (SaaS) Modell angeboten. Das heißt, Salesforce kümmert sich vollumfänglich um das Hosting, die IT-Infrastruktur, die Performance-Skalierung und regelmäßige Sicherheitsupdates. 

B2B-Unternehmen bekommen dadurch eine Komplettlösung mit einer verhältnismäßig schnellen Time-to-Market, ohne selbst Serverressourcen aufbauen zu müssen.

Fazit

Salesforce bietet mit der B2B Commerce Cloud eine mächtige B2B-Komplettlösung. Diese eignet sich am besten für Konzerne und große mittelständische Unternehmen mit hohem Bruttowarenwert, die bereits tief in den anderen CRM- und Service-Angeboten von Salesforce verankert sind und eine einheitliche 360-Grad-Sicht auf ihre Geschäftskunden anstreben.

Oracle Commerce Cloud

Vom Standalone-Shop zum integrierten Ökosystem

Während Oracle in älteren Analystenberichten noch als Leader oder Visionär geführt wurde, hat sich die Marktpositionierung in den aktuellen Gartner- und Forrester-Auswertungen grundlegend gewandelt. 

In den jüngsten Enterprise-Rankings taucht das System im reinen Commerce-Umfeld kaum noch auf, da Oracle den Fokus stark von der Standalone-Shoplösung hin zur ganzheitlichen Integration in das eigene CX- und ERP-Ökosystem verschoben hat.

Erprobte B2B-Funktionen

Wenn es jedoch um tiefe Systemintegration geht, bietet die Oracle Commerce Cloud etablierte und sehr ausgereifte B2B-Komponenten. Zu den essenziellen Features gehören:

  • Benutzerdefinierte Kataloge und die Abbildung komplexer Preisgestaltungen

  • Tief gestaffelte Kontohierarchien für mehrschichtige Unternehmensstrukturen

  • Effiziente Genehmigungsprozesse zur internen Bestellfreigabe

  • Nahtlose Punchout-Funktion: Diese besondere Stärke ermöglicht es geschäftlichen Nutzer:innen, Bestellungen direkt über das eigene Beschaffungssystem ihres Unternehmens aufzugeben.

Volle Stärke im Oracle-Datenkosmos

Die Commerce Cloud ist heute primär als logischer Baustein des riesigen CX-Portfolios von Oracle zu verstehen. Die Shopsoftware eignet sich auf dem aktuellen Markt fast ausschließlich für Unternehmen, die bereits tief im Oracle-Datenkosmos verwurzelt sind. 

Diese Unternehmen profitieren enorm von den vorgefertigten, nativen Integrationen zu anderen mächtigen Oracle-Produkten – allen voran dem marktführenden Oracle CPQ (Configure, Price, Quote) für extrem komplexe Produktkonfigurationen.

Fazit

Oracle Commerce ist keine universelle Empfehlung mehr für den breiten Markt, eignet sich aber hervorragend für hochkomplexe B2B-Geschäftsmodelle innerhalb bestehender Oracle-Infrastrukturen. 

Unternehmen, die eine Kombination aus direktem Kunden-Self-Service und digital unterstütztem Verkauf suchen und ohnehin schon Oracle-ERP oder Oracle CPQ nutzen, finden hier die passendste und stabilste Integration.

Hier sind die beiden Abschnitte, in die ich das Thema der „radikalen Composable-Systeme“, der notwendigen Entwickler-Ressourcen, der hohen TCO sowie der Eignung für hochgradig individuelle Geschäftsmodelle (wie IoT oder Marktplätze) nahtlos und präzise eingearbeitet habe:

commercetools

Die Speerspitze im Headless und Composable Commerce

Im Magic Quadrant von Gartner ist commercetools im Bereich Digital Commerce durchgehend führend. Auch Forrester stuft die E-Commerce-Plattform regelmäßig als "Leader" ein. 

Während traditionelle Suite-Lösungen in älteren Forrester-Studien noch oft die Spitzenreiter waren, setzen sich in den aktuellen Untersuchungen zunehmend API-gestützte Systeme durch, wobei commercetools die Speerspitze im Bereich der Composable- und Headless-Architekturen bildet.

Maßgeschneiderte B2B-Landschaften statt starrer All-in-One-Lösungen

commercetools ist weltweit in den unterschiedlichsten Branchen bei großen Enterprise-Unternehmen gut vertreten. 

Während starre „All-in-One“-Lösungen für hochkomplexe B2B-Geschäftsmodelle oft zu unflexibel sind, bietet commercetools durch seinen API-first-Ansatz die Möglichkeit, eine maßgeschneiderte Commerce-Landschaft mit tiefgreifenden B2B-Funktionen aufzubauen.

Geschäftskund:innen profitieren von einer Plattform, die sich exakt an ihre individuellen Prozesse anpasst. Die B2B-Komponenten verfügen über speziell auf B2B-Einkäufer:innen und komplexe Organisationen zugeschnittene Features wie:

  • Abbildung komplexer Unternehmensstrukturen (Business Units) mit mehreren Käuferebenen

  • Spezifisch zuweisbare Rollen, Rechte und Freigabe-Workflows (Approval Rules)

  • Kundenspezifische Produktkataloge und hochkomplexe, dynamische Preisfindungs-Engines

  • Verwaltung von individuellen Rahmenverträgen und Angeboten

  • Warenkorb- und Bestellmanagement für extrem große Auftragsvolumina

  • Nahtlose Integration in bestehende ERP- und Procurement-Systeme (z. B. per PunchOut)

  • Verwaltung von mehreren Währungen, Steuersätzen und internationalen Standorten in einem Backend

Technologische Freiheit durch den Best-of-Breed-Ansatz

Darüber hinaus ist commercetools bekannt für seine absolute technologische Freiheit. Anstatt durch ein starres System eingeschränkt zu werden, lassen sich durch den "Best-of-Breed"-Ansatz über offene Schnittstellen (APIs) schnell, einfach und effizient genau die Drittanbieter-Services (wie CMS, Suche oder Payment) modular anbinden, die den individuellen Anforderungen am besten entsprechen.

Cloud-native SaaS-Architektur nach MACH-Prinzipien

Interessant ist auch die rein cloudbasierte Architektur von commercetools. Hierbei handelt es sich um ein Software-as-a-Service (SaaS) Angebot, das vollständig auf den MACH-Prinzipien (Microservices, API-first, Cloud-native, Headless) basiert.

Das heißt konkret: Das Hosting, die Skalierung sowie alle relevanten administrativen Updates werden im Hintergrund vom Anbieter übernommen, sodass die Kund:innen sich nicht mehr selbst darum kümmern müssen (es gibt keine klassischen Upgrades mehr). 

Gleichzeitig ist stets gewährleistet, dass das B2B-Backend grenzenlos skaliert und einwandfrei läuft. Mit der Cloud-Lösung von commercetools erhalten B2B-Unternehmen auf Infrastruktur-Ebene also ein „Rundum-Sorglos-Paket“.

Fazit

commercetools ist ein Musterbeispiel für ein radikales Composable-System. Es bietet ein hochmodernes, Headless-Shopsystem mit starken B2B-Funktionen, das sich durch seinen API-Ansatz grenzenlos und individuell erweitern lässt. Diese Architektur eignet sich vor allem für große Konzerne mit hochgradig individuellen Geschäftsmodellen (z. B. komplexe Marktplätze oder IoT-Szenarien). 

Unternehmen müssen sich jedoch bewusst sein: Diese maximale technologische Freiheit erfordert zwingend ein großes, spezialisiertes Entwicklerteam, um die eigene Composable-Architektur aufzubauen und zu warten. Dies bringt unweigerlich eine sehr hohe Total Cost of Ownership (TCO) mit sich.

Spryker Commerce Cloud OS

Treibende Kraft im Composable Commerce

Das mit Wurzeln in Berlin gestartete und mittlerweile global agierende Unternehmen Spryker gehört zu den treibenden Kräften im Bereich Composable Commerce. Die Cloud-basierte Plattform-as-a-Service (PaaS) Lösung lässt sich durch ihren strikt modularen Aufbau an unterschiedlichste und hochgradig individuelle Geschäftsmodelle anpassen.

„Visionary“ durch konsequenten Best-of-Breed-Ansatz

In den Auswertungen von Forrester und Gartner wird die B2B-Shoplösung konstant als „Strong Performer“ (Forrester) sowie als „Visionary“ (Gartner) im Markt positioniert. 

Was in älteren Berichten noch als funktionale Lücke bei nativen Personalisierungs- oder Testing-Features gewertet wurde, ist heute die bewusste strategische Stärke der Plattform: Spryker verfolgt konsequent den "Best-of-Breed"-Ansatz. 

Anstatt ein starres Komplettpaket zu liefern, bietet das System ein massives B2B-Fundament und offene APIs, über die Unternehmen für Personalisierung und Content einfach die jeweils besten Spezial-Tools des Marktes anbinden können.

Vorentwickelte Module für den B2B-Handel

Für den B2B-Handel stellt Spryker eine Vielzahl vorentwickelter Module (sogenannte Packaged Business Capabilities) bereit. Zu den essenziellen Features gehören unter anderem:

  • Kundenindividuelle Kataloge und dynamische Preisgestaltungen

  • Komplexe Nutzerrollen und detaillierte Berechtigungskonzepte

  • Automatisierte Freigabe-Workflows und effiziente Bestellprozesse

Fazit 

Ähnlich wie commercetools gehört auch Spryker in die Kategorie der radikalen Composable-Systeme. Es eignet sich primär für große Konzerne und Enterprise-Fertigungsunternehmen mit extrem komplexen, hochgradig individuellen Geschäftsmodellen (inklusive Enterprise-Marktplätzen und IoT-Szenarien). Der entscheidende Unterschied zu klassischen Systemen auf dem Markt: Spryker versteht sich als radikaler modularer Baukasten.

Anstatt eines fertigen Systems erhalten Unternehmen ein Fundament an Code-Bausteinen, das zwar maximale technologische Freiheit für Unified Commerce bietet, aber von einem großen, spezialisierten Entwicklerteam nahezu von Grund auf zusammengebaut und orchestriert werden muss. 

Genau diese extrem hohe technische Einstiegshürde, die lange Time-to-Market und die damit verbundene deutlich höhere Total Cost of Ownership (TCO) machen Spryker für den klassischen Mittelstand oftmals zu ressourcenintensiv und ungeeignet.

OroCommerce

Als „B2B-Native“ fest im Enterprise-Markt etabliert

Während OroCommerce in älteren Analystenberichten oft noch unter dem Radar flog, hat sich das System fest im Enterprise-Markt etabliert. Im aktuellen Bericht von Forrester (Wave für B2B Commerce) wird das System offiziell als starker „Contender“ geführt, und auch bei Gartner ist OroCommerce seit Jahren ein gesetzter Player. 

Während die meisten anderen hier vorgestellten Shopsysteme ihre Wurzeln im B2C-Sektor haben ("B2C-ification"), ist OroCommerce ein "B2B-Native" – das System wurde von der ersten Zeile Code an ausschließlich für den komplexen B2B-E-Commerce und den industriellen Großhandel konzipiert.

Umfangreiche B2B-Standardfunktionen und integriertes CRM

Die OroCommerce Enterprise Edition beinhaltet tiefe B2B-Standardfunktionen "out-of-the-box". Zu den essenziellen Features und Kernstärken gehören:

  • Verwaltung hochkomplexer Firmenkunden-Hierarchien sowie kundenindividuelle Kataloge

  • Gespeicherte Einkaufslisten und integrierte CPQ-Prozesse (Configure-Price-Quote)

  • Leistungsstarke Workflow-Engine: Von Analysten (wie Forrester mit der Höchstwertung) besonders hervorgehoben, lassen sich hiermit interne Freigabeprozesse und Verhandlungen exakt digital abbilden.

  • Nativ integriertes CRM-System: Ein absolutes Alleinstellungsmerkmal, das Vertriebsteams ("Assisted Buying") und E-Commerce nahtlos miteinander verschmilzt.

Der native Marktplatz- und globale Multi-Channel-Hub

Interessant für international agierende Unternehmen: Das Shopsystem bietet flexible Verwaltungsfunktionen, um verschiedenste Geschäftsbereiche, Marktplätze oder Großhandelsportale mit unterschiedlichen Sprachen, Währungen und Steuervorschriften zentral aus einer einzigen Adminkonsole zu steuern.

Fazit

OroCommerce ist die erste Wahl für Fertigungsunternehmen und Großhändler (Mid-Market bis Enterprise), die extrem komplexe, mehrstufige Vertriebsstrukturen haben. 

Wer ein dediziertes B2B-System sucht, das starke E-Commerce-Funktionen nativ mit CRM, Angebotswesen und Workflow-Modellierung verbindet, findet hier eine der spezialisiertesten Lösungen am Markt.

SAP Commerce Cloud

Die zwei Gesichter der Plattform: Zwischen „Leader“ und „Contender“

Die Einstufung von SAP in den aktuellen Studien ist äußerst interessant und spiegelt die zwei Gesichter der Plattform wider: Während SAP im Bericht von Gartner seit über einem Jahrzehnt ununterbrochen als einer der absoluten Spitzenreiter („Leader“) geführt wird, stuft Forrester die B2B-Lösung aktuell als „Contender“ (Herausforderer) ein. 

Forrester lobt dabei zwar die extrem starken nativen Kauf- und Angebotsfunktionen, merkt aber die vergleichsweise schwere Anwendungsarchitektur an.

Mächtiges Schwergewicht mit immenser Skalierbarkeit

Genau hier liegt das traditionelle Spannungsfeld von SAP: Zwar hat sich die Plattform in den letzten Jahren durch den "Composable Storefront" massiv in Richtung Headless-Commerce und API-Flexibilität geöffnet, sie bleibt im Kern jedoch ein extrem mächtiges und komplexes Schwergewicht. 

Was oft als schwerfällig kritisiert wird, ist gleichzeitig die größte Stärke: Der absolut robuste und gewaltige Funktionsumfang ist exakt das, was große, globale Unternehmen mit hochkomplexen Anwendungsfällen benötigen. Die Plattform hat ihre Skalierbarkeit im Laufe der Jahre bei den größten Konzernen der Welt unter Beweis gestellt.

Tiefe B2B-Lösungen und globale Rollouts

Die SAP Commerce Cloud eignet sich für B2C und B2B Commerce gleichermaßen. Im Geschäftskundenbereich bietet sie tiefe Lösungen für extrem komplexe Beschaffungs- und Lieferantenmodelle. Zu den essenziellen Features und Kernstärken gehören:

  • Tief gestaffelte Unternehmenskonten zur Abbildung komplexer Organisationsstrukturen

  • Komplexe Genehmigungs-Workflows und detaillierte Budget-Verwaltungen

  • Maßgeschneiderte Prozesse für extrem komplexe Beschaffungs- und Lieferantenmodelle

  • Internationale Ausrichtung: Das System ist prädestiniert für den Rollout von länderübergreifenden Webseiten mit verschiedensten Sprachen, Währungen und Steuersystemen.

Fazit

Die unschlagbare Stärke der SAP Commerce Cloud ist ihre tiefe und standardisierte Integrationsebene in das bestehende SAP-Ökosystem (wie S/4HANA). 

Sie eignet sich daher am besten für Milliardenkonzerne und hochkomplexe B2B-Unternehmen, die bereits stark in SAP CRM und ERP investiert haben und nach einer extrem robusten Lösung für globale Marktplätze suchen.

BigCommerce

Vom KMU-Fokus zum etablierten Enterprise-Player

BigCommerce hat in den letzten Jahren einen massiven strategischen Wandel vollzogen: Einst primär als Lösung für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) bekannt, hat sich die Plattform heute extrem erfolgreich im Enterprise-Segment etabliert und wickelt für große Marken problemlos dreistellige Millionen-GMVs (Gross Merchandise Volume) ab.

Starker „Challenger“ mit „Open SaaS“-Ansatz

Im aktuellen Magic Quadrant von Gartner wird BigCommerce als starker „Challenger“ positioniert, während Forrester das System regelmäßig im starken Mittelfeld (Strong Performers/Contenders) listet. 

Die Analysten loben dabei besonders die technische Architektur: BigCommerce verfolgt einen „Open SaaS“-Ansatz. Das bedeutet, Unternehmen profitieren von der Wartungsfreiheit und dem Hosting einer reinen SaaS-Plattform, können diese aber durch komplett offene APIs extrem tiefgreifend modifizieren und an eigene Systeme anbinden.

Starkes Out-of-the-box-Fundament für B2B-Use-Cases

Die native BigCommerce B2B Edition wurde in den letzten Jahren massiv aufgerüstet. Sie bietet heute ein starkes „Out-of-the-box“-Fundament für den Geschäftskundenbereich. Zu den nativen Kernfunktionen gehören:

  • Kundenindividuelle Preislisten für spezifische Konditionen

  • Komplexe Kontohierarchien zur Abbildung von Unternehmensstrukturen

  • Freigabe-Workflows zur internen Bestellkontrolle

  • Digitales Angebotswesen (Quotes) und integrierte Rechnungsverwaltung

  • Nahtlose API-Erweiterbarkeit: Während die nativen B2B-Features für die meisten mittelständischen bis großen B2B-Use-Cases hervorragend ausreichen, merken Analysten an, dass bei globalen Konzernen mit extrem komplexen ERP-Strukturen weiterhin Drittanbieter-Tools (z. B. für dediziertes CPQ) über die offenen APIs integriert werden müssen.

Fazit

BigCommerce eignet sich für wachsende Enterprise-Unternehmen (B2B und B2C), die eine absolut wartungsfreie, cloud-native (SaaS) Plattform suchen, sich aber nicht durch starre Frontend-Vorgaben einschränken lassen wollen. 

Dank des API-first-Ansatzes ("Open SaaS") ist das System ideal für Händler, die eine schnelle Time-to-Market mit Headless-Flexibilität kombinieren möchten.

Fazit

Es gibt am Markt nicht das "eine" beste B2B-Shopsystem. Die "wahre" Nummer eins hängt komplett von der individuellen Unternehmensstruktur, der IT-Architektur und den Zielen ab. 

Grob lassen sich die Plattformen für den Entscheidungsprozess in drei Kategorien einteilen:

  • Der perfekte Allrounder für den ambitionierten Mittelstand (Visionäre): Hier spielt Shopware 6 seine absoluten Stärken aus. Für mittelständische Unternehmen aus Industrie, Großhandel und dem B2B-Vertrieb ist es oftmals das am besten passende System, da es eine hervorragende Balance aus Agilität, emotionalen Einkaufserlebnissen und tiefen B2B-Features bietet – und das ohne die Trägheit eines klassischen Monolithen.

  • Die gehypten B2C-Stars mit klaren B2B-Grenzen: Plattformen wie Shopify Plus werden am Markt zwar extrem häufig nachgefragt und haben im reinen B2C/D2C-Bereich durch schnelles Wachstum absolut ihre Berechtigung. Für den komplexen B2B-Sektor raten wir Unternehmen jedoch meist davon ab. Die Praxis zeigt, dass stark standardisierte SaaS-Lösungen bei mehrstufigen Preisstrukturen, spezifischen Workflows und tiefen System-Anbindungen schlichtweg zu schnell an ihre Grenzen stoßen.

  • Die Umsatz- und Komplexitäts-Riesen (Leader): Wenn es um das historisch größte globale Handelsvolumen und die tiefste ERP-Integration in massiven, internationalen Konzernstrukturen geht, teilen sich traditionell die großen Schwergewichte wie SAP, Salesforce und Adobe die Spitzenplätze.

[Artikel vom 01.08.2022, zuletzt aktualisiert am (aktuelles Datum)]

FAQ - häufig gestellte Fragen

Es gibt nicht das eine beste System. Die ideale Lösung hängt von deiner IT-Infrastruktur, deinem Budget und der Komplexität deiner Geschäftsprozesse ab. Während Shopware 6 der optimale Allrounder für den anspruchsvollen Mittelstand ist, eignen sich Schwergewichte wie SAP oder Salesforce eher für globale Großkonzerne mit bestehenden Ökosystemen.

Shopware 6 bietet die perfekte Balance: Es vereint starke native B2B-Features (wie Rollenrechte, Budgetverwaltungen und Freigabe-Workflows) mit einem hochflexiblen, modernen API-first-Ansatz. Unternehmen erhalten somit die nötige Flexibilität für komplexe B2B-Logiken, ohne die Schwerfälligkeit oder die extrem hohen Einstiegshürden anderer Enterprise-Systeme in Kauf nehmen zu müssen.

In ihrer reinen Standardausführung reicht die Community Edition für komplexe B2B-Prozesse meist nicht aus. Sie bietet jedoch ein hervorragendes technologisches Fundament. Digital.anufaktur hat darauf basierend die Lösung TradelinePro entwickelt. Sie erweitert die Open-Source-Basis um tiefgreifende B2B-Funktionen und ermöglicht mittelständischen Unternehmen den Einstieg ohne die hohen Lizenzkosten der Enterprise-Editionen.

Shopify Plus ist ein starker Akteur im B2C- und D2C-Segment, stößt im B2B-Bereich aufgrund seines stark standardisierten SaaS-Ansatzes jedoch schnell an Grenzen. Komplexe Workflows, mehrstufige kundenindividuelle Preisstrukturen oder tiefe ERP-Anbindungen lassen sich oft nur über ein unübersichtliches Konstrukt aus Drittanbieter-Apps lösen. Das treibt die Kosten, die Fehleranfälligkeit und die Komplexität in die Höhe.

Bei einem reinen SaaS-Modell liegen alle Daten und der Programmcode auf den Servern des Anbieters oder bei externen App-Entwicklern. Für B2B-Unternehmen mit strengen Compliance- und Datenschutz-Anforderungen kann das problematisch sein. Zudem droht ein sogenannter Vendor-Lock-in, da man die Hoheit über den eigenen Code abgibt.

  • SaaS (Software-as-a-Service, z. B. Shopify, Salesforce): Der Anbieter kümmert sich komplett um Hosting, Updates und Infrastruktur. Die Anpassbarkeit im Code ist jedoch stark eingeschränkt.
  • PaaS (Platform-as-a-Service, z. B. Adobe Commerce, Spryker): Das Hosting wird vom Anbieter gemanagt, Unternehmen behalten aber den vollen Zugriff auf den Quellcode für tiefe Individualisierungen.
  • Self-Hosted / Hybrid: Unternehmen betreiben das System auf eigener Infrastruktur, um die maximale Datenhoheit zu behalten.

Die meisten Shopsysteme sind historisch im B2C-Bereich gewachsen und wurden nachträglich für den Geschäftskundenbereich aufgerüstet ("B2C-ification"). Ein System wie OroCommerce ist dagegen ein "B2B-Native": Es wurde von der ersten Zeile Code an ausschließlich für den komplexen B2B-Handel und industrielle Großhändler konzipiert.

Diese Systeme basieren auf dem "Best-of-Breed"-Ansatz und bieten maximale technologische Freiheit, da jede Funktion über APIs modular angebunden wird. Sie eignen sich vor allem für große Konzerne mit hochgradig individuellen Geschäftsmodellen (z. B. IoT-Szenarien oder Marktplätze). Sie erfordern jedoch ein großes, spezialisiertes Entwicklerteam und bringen eine hohe Total Cost of Ownership (TCO) mit sich.

Diese Systeme spielen ihre absolute Stärke dann aus, wenn Unternehmen bereits tief im jeweiligen Datenkosmos verwurzelt sind. Wer ohnehin ein SAP-ERP (wie S/4HANA) oder das marktführende Oracle CPQ für komplexe Produktkonfigurationen nutzt, findet hier die stabilste und am tiefsten integrierte Lösung – meist ausgelegt auf globale Milliardenkonzerne.