Diese E-Commerce-Trends aus Asien sollten deutsche Unternehmen adaptieren

Multi-Service-Apps, innovative Online-Payment-Systeme, On-Demand-Zustellung mit autonomen Drohnen ‒  zukunftsweisende digitale Innovationen werden seit einigen Jahren vor allem in China umgesetzt. Die Nachfrage in der asiatischen Bevölkerung für diese neuen Technologien ist enorm. Das zeigt sich auch in den deutlich steigenden E-Commerce-Umsätzen in China in den letzten Jahren.

In zwei vorangegangenen Blog-Artikeln haben wir Ihnen 10 E-Commerce-Trends vorgestellt, die den digitalen Handel in Asien revolutioniert haben:

  • New Retail
  • Multi-Service-Plattformen wie Meituan
  • Mobile-Only Internet und Super-Apps wie WeChat
  • Mobile-Payment-Systeme wie Alipay
  • Live Commerce
  • On-Demand-Lieferungen, z.B. mittels Drohnen
  • New Manufacturing
  • Consumer 2 Manufacturer
  • Einsatz Künstlicher Intelligenz im E-Commerce
  • Double 11

Wenn Sie einen tieferen Einblick in diese spannenden Entwicklungen bekommen möchten, lesen Sie Teil 1 und Teil 2 unserer Blog-Serie “E-Commerce neu gedacht: 10 digitale Trends aus Asien”.

In diesem Artikel richten wir nun unseren Blick nach Deutschland: Welche der asiatischen E-Commerce-Trends haben auch bei uns Erfolgspotential? Und was können Sie als Onlinehändler tun, um beim digitalen Wandel nicht abgehängt zu werden, sondern diesen aktiv mitzugestalten?

Fokus auf Mobile Commerce

Das Smartphone ist in vielen asiatischen Ländern das Shopping-Endgerät Nummer 1: Im Jahr 2018 kauften laut Statista 74 % der Verbraucher:innen in China mobil ein; in Indonesien waren es sogar 76 %. Das südostasiatische Land hat damit den größten Mobile-Commerce-Anteil weltweit. In Deutschland haben 2018 hingegen nur rund 29 % der Bevölkerung schon einmal einen Einkauf über ihr Mobiltelefon getätigt. 

Allerdings erlebt M-Commerce auch in Deutschland ein kontinuierliches Wachstum. Gerade die junge Generation der 18- bis 30-Jährigen shoppt am liebsten via Smartphone oder Tablet. Das gilt auch für China: In der Altersgruppe von 18 bis 24 Jahren kaufen sogar 98 % der Chinesen mobil ein. Daraus lässt sich schließen, dass M-Commerce in Zukunft eine immer wichtigere Rolle spielen wird. 

M-Commerce Statistik

Der große Vorteil asiatischer Tech-Unternehmen war es, dass sie beim Einstieg in den Onlinehandel direkt in den auf Mobilgeräte ausgerichteten Markt gestartet sind. Sie mussten sich also nicht mit den Hinterlassenschaften veralteter Desktop-Systeme und statischer Webseiten beschäftigen, sondern konnten direkt ins Mobile Business einsteigen. 

Die meisten deutschen Online-Unternehmen sind hingegen schon lange auf dem “klassischen” E-Commerce-Markt für Desktop-User etabliert und müssen ihre Systeme und Denkweisen nun an die neuen Anforderungen anpassen. Dabei versuchen viele deutsche Onlinehändler, ihre existierenden Frontends responsiv für die kleinen Displays von Smartphones und Tablets anzupassen. Eine grundlegende Neuausrichtung der Denkweise auf M-Commerce und eine adäquate Optimierung der gesamten E-Commerce-Plattform für alle Arten mobiler Endgeräte findet dabei allerdings in den meisten Fällen nicht konsequent genug statt. 

Die Lösung: PWA

Um dauerhaft auf einem mobilen E-Commerce-Markt erfolgreich zu sein, müssen deutsche Onlinehändler jetzt ihre bisherigen Ansätze in Frage stellen und sich für neue Ideen und Technologien öffnen. Mit PWA ‒ kurz für Progressive Web Apps ‒ steht hierfür nun eine neuartige Lösung in den Startlöchern. Aktiv unterstützt von Google und bereits von den Big Playern des Marktes adaptiert, sind PWA die E-Commerce-Technologie der Zukunft.

PWA basieren auf dem Headless-Ansatz. Dieser erlaubt eine ganz neue Form der Flexibilität, denn das User Interface (Frontend) und die zentrale Schaltstelle (Backend) operieren komplett losgelöst voneinander. Das Backend bildet den schlanken Kern, an den sich ein beliebiges Frontend sowie diverse Drittsysteme (z.B. ERP, PIM) über standardisierte Schnittstellen (APIs) anbinden lassen. 

Headless Commerce

Die Headless-Technologie bietet somit ganz neue Möglichkeiten, den Onlineshop zu individualisieren, die Performance zu optimieren und die User Experience zu verbessern. Alle Daten lassen sich zuverlässig über ein stabiles Backend-System verwalten und flexibel über unterschiedliche Frontend-Kanäle ausspielen. PWA eignen sich daher auch hervorragend für die unkomplizierte Optimierung des Onlineshops für diverse mobile Endgeräte. Dank Headless können Unternehmen auf sich ändernde Marktanforderungen extrem agil reagieren. Genau diese Agilität machte bisher Asens Erfolg im E-Commerce aus. Dank PWA können deutsche Unternehmen jetzt nachziehen.

Auch in China kommen Progressive Web Apps bereits umfassend zum Einsatz. So konnte beispielsweise AliExpress, ein von Alibaba betriebener Online-Marktplatz, durch den Einsatz einer PWA die Conversion Rate um 104 % steigern. Das macht deutlich: Wer jetzt umsteigt, hat für die vom M-Commerce dominierte Zukunft einen klaren Wettbewerbsvorteil.

Mobile Payment: schnell, flexibel und sicher

Auch die Bezahlung läuft in Asien mobil ab. Mobile-Payment-Systeme wie Alipay oder WeChat Pay ermöglichen es den Anwender:innen, ihren Einkauf schnell und unkompliziert zu bezahlen. Das gilt für Online-Bestellungen genauso wie für den Einkauf im Supermarkt. Selbst an Verkaufsständen an der Straße oder auf dem Wochenmarkt sind die Payment-Apps allgegenwärtig: Die Konsument:innen bezahlen ihre Waren einfach mobil über QR-Codes.

Mobile Payment
Bildquelle: David Dvořáček auf Unsplash

In Deutschland dominieren hingegen noch die traditionellen Zahlarten per Banküberweisung, Karte oder Bargeld. Gegen die Nutzung von Mobile Payment spricht für viele Bundesbürger die Sorge um den Datenschutz. Allerdings: Die Bezahlung per Smartphone oder Tablet setzt sich vor allem bei den Jüngeren hierzulande immer mehr durch. Laut einer Studie von PwC von 2019 nutzen 46 % der unter 30-jährigen Deutschen Mobile Payment; bei den über 60-Jährigen sind es lediglich 12 %. Quer durch alle Altersgruppen bezahlt jeder Vierte zumindest gelegentlich per Smartphone oder Tablet. Bis 2024 wollen 57 % aller Befragten ihre Zahlungen mobil abwickeln. 41 % der Bundesbürger können sich sogar vorstellen, künftig ausschließlich per Smartphone zu zahlen – sofern die Methode dann sicher und überall akzeptiert ist.

Diese Ergebnisse machen deutlich: Auch in Deutschland wächst die Nachfrage nach mobilen Zahlungsmethoden enorm. Onlinehändler müssen hierfür gerüstet sein und neue Bezahloptionen anbieten, die schnell, einfach und zugleich sicher sind. Gerade vor dem Hintergrund, dass zahlreiche Kund:innen einen Onlinekauf abbrechen, wenn ihre bevorzugte Zahlungsmethode nicht angeboten wird, sollte diesem Thema höchste Priorität beigemessen werden.

On-Demand-Lieferung: Start-ups liefern in 10 Minuten

In China, Indonesien und anderen asiatischen Ländern ist die minutenschnelle Lieferung von Bestellungen in den Großstädten bereits selbstverständlich. Die rasche Zustellung von Online-Einkäufen stellt für deutsche Logistikunternehmen hingegen noch eine große Herausforderung dar. Gerade beim hohen Bestellaufkommen Ende 2020 ist unsere logistische Infrastruktur an ihre Grenzen gestoßen.

Doch die Nachfrage nach einer schnellen, reibungslosen Lieferung steigt. Das haben auch einige deutsche Start-ups erkannt: Apps wie Gorillas, Delivery Hero oder Flink liefern Supermarkt-Ware in kürzester Zeit mittels Fahrrad-Kurieren. Mit dem Konzept des “Quick Commerce” sind diese neuen Lieferdienste gerade dabei, einen Investoren-Hype auszulösen. Das zeigt: Die Optimierung der sogenannten “letzten Meile” ist ein brandaktuelles Thema. 

Momentan noch auf bestimmte Viertel in den Metropolen begrenzt, wird sich die On-Demand-Lieferung in den nächsten Jahren höchstwahrscheinlich großflächig in den deutschen Städten durchsetzen. Onlinehändler sollten diesen Trend genau im Blick behalten, um die “Last Mile Delivery” zu optimieren.

Social Commerce: Interaktivität fördern

In China gibt es kaum noch einen wahrnehmbaren Unterschied zwischen Social-Media- und E-Commerce-Plattformen. In Super-Apps wie WeChat geht beides ineinander über ‒ vom Chat mit Freunden über den Shopping-Live-Stream bis hin zum Online-Kauf samt Bezahlung. Für all das müssen die Anwender:innen die App nicht mehr verlassen.

Digitale Shopping-Erlebnisse kommen dadurch immer mehr an den physischen Einkaufsbummel mit Freundinnen in der Innenstadt heran: Sie sind interaktiv, kommunikativ und “greifbar”. Auch im Westen verschmelzen die Grenzen zwischen “Social” und “Commerce” zunehmend. So kommunizieren immer mehr Konsument:innen über Live-Chat-Funktionen im Onlineshop oder Messenger-Apps wie Facebook direkt mit den Unternehmen. Dieser Weg ist für die Kund:innen schnell, effizient und bequem, und die Unternehmen können dadurch ihre Kundenbindung stärken. 

Social Commerce
Bildquelle: https://www.instagram.com/maisonsdumonde/

Auch die westlichen Social-Media-Plattformen bieten immer mehr Möglichkeiten, innerhalb der App einzukaufen. Sowohl die Nutzer:innen als auch die Onlinehändler selbst können davon stark profitieren. In diesem Blog-Beitrag erklären wir, wie Unternehmen die Synergien von Social Media und E-Commerce gewinnbringend nutzen können.

Fazit

Durch den Mut zu digitalen Innovationen und Agilität ist China zum erfolgreichsten E-Commerce-Markt der Welt geworden. Viele der E-Commerce-Trends aus Asien haben ‒ in adaptierter Form ‒ auch bei uns Erfolgspotential. Wichtig ist, dass deutsche Online-Unternehmen sich jetzt von etablierten Denkweisen lösen und sich für die digitale Zukunft aufstellen. Die neuen E-Commerce-Lösungen gehen in Richtung mehr Vernetzung, Mobilität und Interaktivität. Innovative Technologien wie Headless Commerce und PWA ermöglichen es Unternehmen, im digitalen Wandel auch global wettbewerbsfähig zu bleiben.

Sie möchten mehr über die Möglichkeiten von Headless Commerce erfahren? Dann informieren Sie sich über unsere PWA hubble oder kontaktieren Sie uns einfach direkt.

Ann-Kathrin Hofmann

Unternehmenskommunikation

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