E-Commerce neu gedacht: 10 digitale Trends aus Asien (Teil 2)

Im ersten Teil dieser Blog-Serie haben wir Ihnen 5 E-Commerce-Trends aus Asien vorgestellt, die gerade dabei sind, den digitalen Handel zu revolutionieren:

  • New Retail
  • Multi-Service-Plattformen wie Meituan
  • Mobile-Only Internet und Super-Apps wie WeChat
  • Mobile-Payment-Systeme wie Alipay
  • Live Commerce

Heute werfen wir einen Blick auf 5 weitere digitale Trends aus China und anderen asiatischen Ländern, die eins deutlich machen: In Sachen Innovationskraft gehen die Asiaten mit großen Schritten voraus. 

1. Last Mile Delivery ‒ On-Demand-Zustellung mit Drohnen

Eine der größten Herausforderung auf dem deutschen E-Commerce-Markt ist momentan die sogenannten “letzte Meile” ‒ also die finale Zustellung der Pakete. Während bei uns die Kund:innen mitunter mehrere Tage auf ihre Bestellungen warten müssen, werden diese in großen chinesischen Städten wie Peking oder Shanghai noch am selben Tag (“Same-day Delivery), teilweise sogar innerhalb weniger Minuten (Instant Delivery) geliefert. 

Auch die indonesische Super-App “Gojek” ist auf die Sofort-Bereitstellung von Produkten und Dienstleistungen spezialisiert. Während der Transport hier üblicherweise mit Motorrollern erfolgt, werden in China bereits ganz neue Wege der Logistik genutzt. So gehören rollende Packstationen sowie unbemannte Lieferfahrzeuge zunehmend zum Stadtbild in Chinas Metropolen und auch autonome Drohnen sind mittlerweile im Einsatz

Letztere eignen sich insbesondere für die Megastädte mit ihrem hohen Verkehrsaufkommen, da sie einfach über die Staus hinweg fliegen können. Aber auch für ländliche, schwer erreichbare Regionen bietet der Lieferservice über die Luft einen enormen Vorteil, durch den unzugängliche Distanzen vergleichsweise schnell überbrückt werden können. Ein weiterer Pluspunkt von Drohnen, Robotern und unbemannten Fahrzeugen: Sie passen sich den Wünschen der Kund:innen an und können rund um die Uhr liefern – und das 365 Tage im Jahr.

Die Logistik ist eines der entscheidenden Zukunftsthemen im E-Commerce. Chinesische Unternehmen wie JD.com und Cainiao (die Logistik-Tochterfirma von Alibaba) haben das erkannt und investieren nun große Summen in eine groß angelegte, digitale Logistik-Infrastruktur ‒ und das nicht nur in Asien, sondern auch in Europa.

2. New Manufacturing ‒ die digitale Fabrik

Im ersten Teil dieser Blog-Serie haben wir bereits einige der spannenden neuen Ansätze des einflussreichen chinesischen Tech-Konzerns Alibaba vorgestellt ‒ vom “New Retail”-Konzept bis hin zum Online-Payment-System Alipay.

“New Manufacturing”, der neueste Streich des größten E-Commerce-Unternehmens der Welt, richtet sich nun an das klassische, produzierende Gewerbe. Mit der Xunxi Digital Factory will Alibaba den Prototyp für die Produktionsanlage der Zukunft kreieren.

Ziel des New-Manufacturing-Ansatzes ist es, die Produktionsprozesse effizienter, profitabler und ressourcenschonender zu gestalten. Dank genauer Datenanalysen und modernster Technik sollen die Hersteller ganze 75 % der Ressourcen einsparen. Erreicht wird dies durch den Einsatz künstlicher Intelligenz (KI), die z.B. den Wasserverbrauch der Maschinen optimiert und den Produktionsprozess auf Fehler überwacht. Die Produktion der Waren wird genau auf die Kundennachfrage abgestimmt und Schneide- und Nähmaschinen können automatisch aus der Ferne per Smartphone gesteuert werden.

Quelle: https://youtu.be/sHjOax0ugMg

3. Consumer 2 Manufacturer ‒ Direkte Abstimmung von Vertrieb und Produktion

Ein maßgeblicher Teil der digitalen Revolution in der Fertigung von Produkten ist das Prinzip “Consumer 2 Manufacturer” (C2M): Die Kundenbedürfnisse werden dabei direkt an die Herstellung weitergegeben und die Produktion entsprechend angepasst. 

Beim traditionellen Produktionsmodell, wie es in dem Großteil der Unternehmen heute noch umgesetzt wird, fertigt der Hersteller eine bestimmte Auswahl und Anzahl an Waren, die er dann versucht möglichst gewinnbringend an die Konsument:innen zu verkaufen. Beim C2M-Ansatz hingegen werden riesige Datenmengen ausgewertet, die Kundenbedürfnisse analysiert und aufgrund dieser Ergebnisse neue Produkte entwickelt und hergestellt.

Die Vorteile dieses Modells sind zahlreich: effizientere Produktionsprozesse, stärkere Skaleneffekte und eine optimierte Lieferkette. Zudem können Unternehmen Produktinnovationen schneller realisieren und die Marktanforderungen erfüllen, sodass sie eine höhere Produktqualität zu niedrigeren Preisen anbieten können ‒ eine Win-Win-Situation für Hersteller und Konsument:innen.

4. Neue Möglichkeiten dank Künstlicher Intelligenz

Sowohl beim New-Manufacturing-Ansatz als auch in vielen anderen Industriezweigen Chinas gewinnt das Thema Künstliche Intelligenz (KI) zunehmend an Bedeutung. Laut dem “Entwicklungsplan für künstliche Intelligenz der neuen Generation”, den der chinesische Staatsrat im Juli 2017 veröffentlichte, will das Land bis zum Jahr 2030 Weltmarktführer für KI-Anwendungen werden. Investitionen sind dabei u.a. für die Bereiche selbstfahrende Fahrzeuge, intelligente Serviceroboter, autonome Drohnen sowie KI-Anwendungen beim Supply-Chain-Management geplant ‒ also alles Themen, die auch für den E-Commerce eine wichtige Rolle spielen.

Eine interessante KI-Entwicklung sind beispielsweise die sogenannten Virtual Anchors ‒ animierte Avatare, die menschliche Fernsehmoderatoren unterstützen bzw. ersetzen. Diese könnten schon bald ein ganz neues, interaktives Online-Einkaufserlebnis ermöglichen: Basierend auf Datenanalysen beraten die Avatare die Kund*innen online im Eins-zu-eins-Gespräch individuell an deren Bedürfnisse angepasst. Über herkömmliche Chatbots hinausgehend, machen diese neue Technologie eine Interaktion auf emotionalem Level möglich.

Auch andere Wirtschaftszweige Chinas werden gerade grundlegend durch den Einsatz Künstlicher Intelligenz verändert. Ein Beispiel ist das Gesundheitswesen, das durch neue KI-Systeme immer mehr optimiert wird und China tatsächlich die weltweit führende Position in diesem Bereich sichern dürfte. Auch chinesische Versicherungen setzen bereits KI-Systeme ein, um Schadensfälle effizient zu regulieren.

5. Double 11: Das umsatzstärkste Onlineshopping-Event der Welt

Künstliche Intelligenz wurde im letzten Jahr auch erstmals von Alibaba eingesetzt, um den sogenannten “Double 11” zu unterstützen: Mithilfe von KI-Systemen wurden Live-Shopping-Streams automatisch und simultan in mehrere Sprachen übersetzt, um mit dem Mega-Shopping-Event auch internationale Märkte zu erreichen.

“Double 11” wurde in China ursprünglich für Alleinstehende als Äquivalent zum Valentinstag ins Leben gerufen: Am sogenannten “Singles’ Day” am 11. November beschenken Singles sich selbst oder nehmen an Events für Alleinstehende teil. Inzwischen ist Double 11 jedoch zum umsatzstärksten Onlineshopping-Ereignis der Welt geworden: Im Jahr 2020 machte die Alibaba Group dabei einen Umsatz von 74,1 Mrd. Dollar an nur vier Tagen. Im Vergleich dazu wurden in den USA am Thanksgiving-Wochenende 2020 (Thanksgiving, Black Friday und Cyber Monday) nur 17,6 Milliarden US-Dollar umgesetzt.

Quelle: https://youtu.be/yfEHyePAj-c

Alibaba bezeichnet die Zeit zwischen dem 1. und 11. November als “Global Shopping Festival”. Welche Bedeutung Double 11 inzwischen auch international hat, lässt sich auch daran erkennen, dass laut Alibaba über 1.300 deutsche Marken auf den eigenen Plattformen einen Umsatz von über einer Milliarde US-Dollar erzielt haben.

Wer neue E-Commerce-Trends entdecken will, sollte den Blick daher im November auf China richten. Im Jahr 2020 hat beispielsweise eine neue Verkaufsstrategie hier einen absoluten Boom erlebt: Live Commerce. Die Livestreamer, die im Internet live Produkte vorstellen, Fragen beantworten und verkaufen, sind in China im Laufe des letzten Jahres zu Megastars geworden. Beim Einkaufsfestival rund um Double 11 haben ca. 30 Livestreamer einen Umsatz von rund 15 Milliarden US-Dollar erwirtschaftet. Teilweise wurden dabei etwa 583.000 Bestellungen pro Sekunde aufgegeben.

Fazit & Ausblick

China gehört heute zu den erfolgreichsten und innovativsten E-Commerce-Märkten der Welt. Im Hinblick auf digitale Trends sollten wir also unseren Blick nicht nur in Richtung USA wenden, sondern den Fernen Osten ganz genau im Auge behalten. In diesem und im vorherigen Blog-Beitrag haben wir Ihnen daher insgesamt 10 E-Commerce-Innovationen aus Asien vorgestellt, die das Zeug haben, den digitalen Handel zu revolutionieren. Im nächsten Artikel aus dieser Serie schlagen wir dann die Brücke nach Deutschland: Welche der chinesischen E-Commerce-Trends haben auch bei uns Erfolgspotential? Und was können Sie als Onlinehändler hier tun, um beim digitalen Wandel nicht abgehängt zu werden, sondern diesen aktiv mitzugestalten?

Ann-Kathrin Hofmann

Unternehmenskommunikation

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