Was kostet ein Onlineshop?

Von Alexandra Vollmer
22. Oktober 2021
Lesezeit: 5 Minuten

Das werden wir oft von unseren Kund:innen gefragt. Die Frage ist verständlich – aber gar nicht so leicht zu beantworten. “Das ist wie, wenn man fragt: ‘Was kostet ein Auto’”, meint Philipp Reger, Leiter Vertrieb bei der digitalmanufaktur.

Das Entscheidende seien die Anforderungen, die die Kund:innen an ihren Shop hätten. “Im Grunde bekommt man einen Standard-Onlineshop, grundlegende IT- bzw. E-Commerce-Kenntnisse vorausgesetzt, ohne hohe Investitionen und für eine geringe monatliche Gebühr”, so der Vertriebsexperte.

Standard heißt: Vorkasse

Okay. Standard-Shop. Das kann jetzt alles heißen. “Genau, hier gibt es oft Gesprächsbedarf”, weiß Philipp. “Bei Standard denken viele Kund:innen an Amazon und Co.” Wenn man sich jedoch ein reguläres Shopsystem anschaue, dann seien da grundsätzlich die notwendigen Kernfunktionen enthalten. Es sehe jedoch weder eine umfangreiche Bezahlfunktion noch ein an die eigenen Anforderungen angepasstes Erscheinungsbild vor.

In einem solchen Standard-Shop sei beispielsweise hinterlegt, dass Kund:innen ihre Ware gegen Vorkasse erhalten. Dass das im regulären Business nicht funktioniert, ist klar. So sieht der Basis-Shop bei dmf mehr als Ergänzungen vor. “Die eigentlichen Aufwände entstehen vor allem durch die Integration des Shopsystems in bestehende Ökosysteme der Kund:innen oder durch das Schaffen eines zu Produkt und Marke passenden Einkaufserlebnisses”, erklärt Philipp.

“Wir nehmen diese Wünsche unserer Kund:innen auf und bauen einen Shop nach ihren Bedürfnissen”, so Philipp. Man könne manchmal am Ende kaum noch erkennen, dass es sich um einen Shopware-Shop handelt”, schmunzelt er. Das sei wie bei einem getunten Auto. Da sähe man auch erst auf den zweiten Blick, dass das mal ein Golf gewesen ist. 

Dass ein individueller Shop ein Vielfaches an Zeit und Geld brauche, verstehe sich von selbst. ”Bei einem sogenannten Kick-Off-Shop sprechen wir über Kosten zwischen 50.000 und 120.000 Euro”, beziffert Philipp den Invest. Ein solcher Shop decke die grundsätzlichen Anforderungen ab, habe eine erste Integration in die IT Landschaft des Betreibers und ein der Marke entsprechendes Erscheinungsbild.

“Besondere Anforderungen in diesem Kontext konnten schon über sogenannte Plugins von Drittanbietern abgebildet und von unseren Entwickler:innen feinjustiert werden.” Für kleinere Unternehmen stelle dieser Rahmen eine solide Grundlage für weiteres Wachstum dar.

Größere Unternehmen hätten in der Regel komplexere Anforderungen an ihren Onlineshop. “Mit einem Kick-Off-Shop haben diese Unternehmen ein sogenanntes Minimum Viable Product (MVP), also ein erstes funktionsfähiges Produkt”, beschreibt Philipp den Mehrwert einer solchen Shop-Lösung. “Mit dieser Version können Unternehmen sehr schnell aus dem Feedback ihrer Nutzer:innen lernen und so Fehlentwicklungen verhindern, die an den Anforderungen vorbei laufen.”

Agiler Festpreis

Wenn Kund:innen einen Shop bauen wollen, könne man nicht mit einem “Mal-Sehen” an den Start gehen. Auch wenn das manchmal sinnvoll wäre. “Unsere Kund:innen kommen vorrangig aus dem Mittelstand und sind es gewohnt, mit Festpreisen zu arbeiten”, erklärt Philipp.

Diesem Wunsch wolle man bei dmf gerecht werden. Darum habe man sich für ein Stufen-Modell entschieden. “Es gibt Themen, die können wir mit unseren Kund:innen stringent planen und fest bepreisen”, erklärt Philipp das Vorgehen. “Dann haben wir einen konkreten Shop mit einer fixen Timeline.” 

Dann gäbe es Themen, die zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht klar seien. Diesen Themen müsse man sich in weiteren Runden annähern. “Oft halten Kund:innen bei der Planung Rücksprache mit der IT oder dem Marketing”, weiß Philipp. “Diesen Prozessen wollen wir bewusst Raum geben.” Also lasse man alles, was in einem ersten Schritt noch zu komplex und nicht planbar sei, draußen.

Philipp spricht von einem sogenannten “agilen Festpreis”. Die erste Stufe sei fix, und im weiteren Verlauf sei man offen für Wünsche. Die späteren Anpassungen regelt dmf mit sogenannten Change Requests mit entsprechenden zeitlichen und finanziellen Ressourcen. Das sei für die Kund:innen in Ordnung, weil der erste Aufschlag bereits gut funktioniere und online gehen könne.

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Lass uns in Urlaub fahren…

Um eine passende Lösung zu finden, sei es entscheidend, miteinander zu reden. “Damit meine ich nicht, sich zwischen Tür und Angel etwas zuzurufen”, so Philipp. Das sei wie wenn dir jemand sage: “Hey, lass uns in Urlaub fahren”. “Du schaust aus dem Fenster und packst ein paar Pullis und eine Wechselhose ein. Und auf einmal fahrt ihr für sechs Wochen in die Wüste. Mit deinen Klamotten kommst du dann nicht weit”, beschreibt Philipp, wozu es kommen kann, wenn man nicht darüber spricht.

“Wenn wir etwas nicht wissen, können wir es nicht einplanen.” Insbesondere die Anbindung des Shops an das unternehmenseigene Warenwirtschaftssystem sei oft ein Kostentreiber. Die Kund:innen-Aussage “Meine Produkte sind total simpel” sei kaum eine gute Messlatte. Ganz einfach, weil die technische Anbindung nicht klar sei. Auch nicht klar sein könne.

“Wenn der Preis beispielsweise ein Komma hat, dann kann ich das Komma nicht mehr für die Maschinensprache nutzen und muss auf andere Zeichen ausweichen”, wirft Philipp einen Blick hinter die Programmier-Kulissen. Umso wichtiger sei es, in Ruhe über die verschiedenen Themenfelder und Anforderungen auf Kund:innenseite zu sprechen, um die richtigen technischen Konsequenzen zu ziehen.

Konzeptions-Workshops

Um Raum für genau diese Gespräche zu schaffen, geht dmf zu Beginn der Zusammenarbeit mit den Kund:innen in eine Konzeptionsphase. “In einem gemeinsamen Workshop setzen wir Anspruch und Wirklichkeit gegenüber und klopfen genau ab, was es braucht”, erklärt Philipp das Vorgehen.

Dabei nehme dmf ihre Berater:in-Rolle sehr ernst. “Nicht jedes Feature macht am Anfang Sinn”, weiß Philipp. “Oft ist es besser, mit einem überschaubaren Paket zu starten und damit  Erfahrungen zu sammeln.” Damit ließen sich die eigenen Anforderungen und die der Kund:innen verifizieren. Er habe stets Interesse an einer langfristigen Zusammenarbeit und sei deswegen gnadenlos ehrlich. Viele Projekte ließen sich besser step by step realisieren.

Am Ende des Workshops habe man eine Excel-Liste, in der alle Punkte aufgeführt seien. Auf dieser Basis ließe sich ein Arbeitspaket schnüren, das schon eine gute Grundlage für ein Angebot liefere.

Und jetzt? “Stehen die Anforderungen, geht es noch um das Look & Feel”, so Philipp. In einem Gestaltungs-Workshop findet dmf heraus, was zur jeweiligen Zielgruppe passt, was gut „funktioniert“ und die Marke passend inszeniert – stets unter Berücksichtigung einer optimalen Conversion. Darauf basiert das sogenannte UX/Feinkonzept.

Nun habe man alles zusammen, um das Angebot zu schnüren und einen Preis zu vereinbaren, auf den sich beide Seiten verlassen können.

Was ist das Ziel?

Um diesen Arbeitsweg souverän zu gehen, sollten sich Händler:innen vorab gut sortieren. Diese Fragen helfen dabei:

  • Was genau ist das Ziel, das mit dem Onlineshop verfolgt wird? Soll er nur die Innendienst-Kosten reduzieren oder stehen die Kund:innen mit ihren Wünschen und Bedürfnissen im Mittelpunkt? 
  • Braucht es ein Rundum-Glücklich-Paket oder passt ein modulares Vorgehen? 
  • Wer sind die Stakeholder im Unternehmen, und wer hat welchen Bedarf und welches Mitspracherecht?
  • Was sind eindeutige Must-Haves, und was kann als Nice-To-Have vielleicht noch etwas warten? 
  • Was ist in der Zusammenarbeit wichtig? Will ich beispielsweise einen Ansprechpartner für alle Fragen oder möchte ich lieber mit mehreren Spezialisten sprechen?
  • Braucht es einen telefonischen Austausch oder reicht eine Online-Kommunikation?
  • Wie wichtig ist mir physische Nähe in der Zusammenarbeit?

Wichtig auch: Dem Projekt Zeit geben und Dinge hinterfragen. “Dass eine Leistung bei einem Anbieter drei Tage und bei einem anderen drei Wochen dauert, kann ganz verschiedene Ursachen haben”, weiß der Vertriebsexperte. “Hier lohnt es sich nachzufragen und die Entscheidung an den eigenen Bedürfnissen zu reflektieren.”  

Und ein bisschen Bauchgefühl dürfe bei der Wahl der Partner:innen auch eine Rolle spielen. 

Die Zusammenarbeit wird sich verändern

Mittelfristig werde sich die Zusammenarbeit zwischen Kund:innen und Agenturen verändern, ist Philipp überzeugt. Da E-Commerce-Projekte immer komplexer würden, ließen sich konkrete Aufwände kaum noch verlässlich in Projekten planen. “Perspektivisch wird es eine höhere Akzeptanz dafür geben, dass digitale Angebote nicht in Projekten – also in Launches und Relaunches – abzubilden sind, sondern kontinuierlich fachkundig weiterentwickelt werden müssen.”

Agenturen würden deshalb zukünftig vor allem ihr Know-how als Ressource anbieten und auf Basis eines festen, beispielsweise monatlichen, Kontingents mit ihren Kund:innen zusammenarbeiten. Die vereinbarten Ressourcen ließen sich dann abhängig von den jeweiligen Bedürfnisse einsetzen.

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