Migration von Magento 1 auf Shopware 6 – Der ultimative Guide

22. Januar 2020
7 Minuten

Ihr Shop läuft noch auf Magento 1 und Sie haben sich bereits intensiv mit der technischen Zukunft Ihres Onlineshops auseinandergesetzt? Als echte Option liegt die Migration zu Shopware 6 auf dem Tisch? Dann soll dieser Guide dazu dienen, Sie bei Ihrer endgültigen Entscheidungsfindung optimal vorzubereiten, und Ihnen das Wissen für ein erfolgreiches Re-Platforming mitgeben.

Für diesen Beitrag gehen wir von einem Wechsel auf Shopware 6 aus. Überwiegend lassen sich die Informationen jedoch auch auf eine Migration von Magento zu Shopware 5 anwenden.

Welche Aspekte sprechen für einen Wechsel?

Grundlegend kann man festhalten, dass für bestimmte Szenarien ein grundlegender Wechsel des Shopsystems aus der Perspektive Magento 1 eine sinnvolle Option sein kann. Hintergrund ist, dass Magento 1 und Magento 2 technisch betrachtet fundamentale Unterschiede aufweisen. Ein Versionswechsel von 1 auf 2 kommt somit einem Plattformwechsel gleich. Somit bietet sich die Evaluation anderer Lösungen an.

Um zu entscheiden, welches System besser zu den eigenen Zielen und Anforderungen passt, muss man etwas ausholen und somit sei an dieser Stelle auf die zahlreichen Vergleiche “Magento vs. Shopware” verwiesen.

Kann ich einfach so von Magento zu Shopware wechseln?

Der Prozess der Systemumstellung ist aus unserer Sicht immer komplexer, als der eines komplett neuen Shops. Alle Systembestandteile sowie Anknüpfungspunkte an andere Systeme müssen in ein neues Ökosystem überführt werden.

Ein Wechsel von Magento 1 zu Shopware 6 entspricht, technisch betrachtet, einem komplett neuen Shop. Sämtliche Bausteine des Onlineshops müssen neu aufgestellt werden.

Somit ergibt sich die Faustregel, dass Sie Ihre bisherigen Tätigkeiten in Verbindung mit Magento 1 als Ausgangspunkt für die Komplexität des Vorhabens verwenden können. “Einfach” ist die Migration dann, wenn Ihr Magento 1 im wesentlichen den Standardfunktionen und typischen Prozessabläufen entspricht. Je individueller Ihr System, desto höher die Anforderungen an die Migration.

Checkliste – Was ist zu tun?

Folgende Liste gibt einen Überblick über die Themen, denen Sie für den Wechsel des Shopsystems Beachtung schenken sollten.

1) Anforderungsanalyse

Am Anfang des Projektes stehen Zieldefinition und Anforderungsanalyse sowie – definition.

Grundsätzlich ist die Idee “alles wie in Magento 1, nur neu (und besser) in Shopware 6” unserer Erfahrung nach der Tod eines erfolgreichen Projektes. Einerseits gilt es, auch – und insbesondere bei Migrationen von bestehenden Systemen – eine detaillierte Aufstellung der Arbeitspakete und Erwartungen zu durchzuführen.

Eine derart gravierende Umstellung stellt auch immer einen sinnvollen Zeitpunkt dar, die gewachsenen Strukturen auf den Prüfstand zu stellen. Ggf. findet man Funktionen, die zwar mal eingebaut wurden, aber nun verzichtbar geworden sind. Je schlanker der Migrationsumfang, desto leichter (und günstiger) wird diese durchzuführen sein.

Denn Magento und Shopware mögen, wirft man einen Blick in die Funktionslisten und den Plugin/Extension Marktplatz, einen augenscheinlich gleichen Funktionsumfang bieten. Jedoch sind die beiden Systeme dann am Ende sehr unterschiedlich in Art und Tiefe der Implementierung. Nur wenn die Prozesse, Art und Umfang der bisherigen Nutzung absolut klar definiert sind, lässt sich daraus der Grad der Migrationsfähigkeit ableiten. Grundsätzlich darf man davon ausgehen, dass der Implementierungspartner von der Regel ausgeht, dass Funktionen von Magento nicht mehr zur Verfügung stehen. Vielmehr ergeben sich Abläufe zukünftig ausdrücklich aus den Funktionen und Fähigkeiten des Shopsystems. Aspekte werden nur dann nachgebaut, wenn diese ausdrücklich benannt werden.

2) Migrationspfad definieren

Aus der Definition der Anforderungen ergibt sich ein Projektplan, der Ihren Migrationspfad beschreibt. Alle anstehenden Tätigkeiten müssen sinnvoll aufeinander aufbauen – so muss beispielsweise die Synchronisierung der Daten derart aufgesetzt werden, dass diese jederzeit auch Delta-Abgleiche durchführen kann.

3) Einrichten und Konfigurieren

Auch wenn das Shopware Migrations-Werkzeug Konfigurationen nach dem Vorbild von Magento automatisch vornehmen kann, empfehlen wir die systematische und vollständige Einrichtung des Shopware-Systems. So können Sie sicher sein, dass sämtliche Prozesse den Anforderungen entsprechend und vollständig (und vor allem nachvollziehbar) eingerichtet werden.

4) Übernahme der Stamm- und Bewegungsdaten

Für die Übernahme der Stammdaten (Kategorien, Produkte, Attribute, usw.) bieten sich verschiedene Wege an.

Zum einen bietet das SW Migrations-Werkzeug die Möglichkeit, diese Daten zu mappen und laufend von Magento an Shopware zu überspielen.
Bestimmte Felder fehlen im offiziellen Profil und müssen nachprogrammiert werden: https://git.digitalmanufaktur.net/DMC/extensions/shopware6/external/swag-migration-magento
Spannend wird es bei individuell genutzten Feldern und Attribut-Sets. Die Flexibilität von Magento führt in gewachsenen Systemen oftmals zu interessanten Sonderausführungen, welche gesondert betrachtet werden müssen.

Bindet man ein ERP oder PIM an, welches als führendes System für die Produkt-Stammdaten dient, so kann es ein sinnvoller Weg sein, den neuen Shop komplett aus diesem System heraus zu bespielen. So testet man einerseits die neue Schnittstelle und stellt einen frischen Stand her. Jedoch ist – je nach bisheriger Verfahrensweise – darauf zu achten, dass man im Bereich SEO keinen Schaden anrichtet. So erzeugt man ggf. ungewollt 404 Fehler, weil im alten Shop Seiten (Produkte, Kategorien) “versehentlich” online gewesen sind.

5) Übername des User Interface / Features / Individual Programmierungen

Hauptaugenmerk und wohl auch wesentlicher Aufwandsfaktor bei der Migration wird die eigentliche technische Übernahme bzw. der Nachbau von Programmfunktionen und des User Interface (Template).
Wie oben im Abschnitt “Anforderungsanalyse” dargestellt, kann dies neben den offensichtlich individuellen Funktionen auch bisherige “normale” Abläufe im System betreffen, die nun im neuen Shopsystem anders oder gar nicht mehr existieren, jedoch benötigt werden. Selbstverständlich gehören auch Extensions vom Marktplatz zu dieser Migrationsphase.

6) Schnittstellen und Anbindung andere Systeme

Schnittstellen müssen wie die allgemeinen Funktionen des Onlineshops ebenfalls überdacht, programmatisch migriert und ggf. sogar inhaltlich verändert werden. Insbesondere eine ERP Anbindung kann sich hierbei als eine komplexe Aufgabe herausstellen, da es bspw. erhebliche strukturelle Unterschiede in den Produkten zwischen Magento und Shopware gibt (siehe unten).

Darüber hinaus muss jede Anbindung zu einem Drittanbieter-Service oder der Export von Produktdaten auf den Prüfstand gestellt werden. Typische Vertreter sind hier:

Newsletter-Systeme
Produkt Feed Exporte für Google Merchant Center etc.

Auch die Einbindung der Tracking Software sollte überprüft werden; so können sich bspw. durch neuen HTML Aufbau Anpassungen an Event Trackings etc. ergeben.

7) Dokumente und Dateiablagen

Bei vielen Migrationen wird gerne vergessen, dass ein gewachsener Onlineshop nicht immer nur aus den Applikationsdaten sowie offensichtlichen Mediadaten (z.B. Produktbilder) besteht. Über die Zeit haben sich nicht selten frei genutzte Verzeichnisstrukturen gebildet; Daten für Affiliate-Partner, Werbe-PDFs usw. müssen identifiziert werden, um auch zukünftig aufrufbar zu bleiben.

8) Dokumentation

Die vorliegende Dokumentation muss sowohl aus der Perspektive des Shop-Management als auch für die Entwickler neu verfasst werden.

9) Menschen mitnehem – Schulung

Die vorherigen Abschnitte haben es deutlich herausgestellt. Mit Shopware setzt man auf ein neues System und veränderte Abläufe im Detail. Somit ist es elementar, auch die Menschen der eigenen Organisation für die Veränderung zu begeistern und frühzeitig in das neue System einzuarbeiten.

10) SEO

Für die Sichtbarkeit der Website in den Suchmaschinen (Google… ) stellt ein Relaunch und hier insbesondere der Wechsel einer Plattform ganz besondere Herausforderungen dar. Alle Inhalte, URLs etc. müssen auf gleiche Weise wie zuvor erreichbar sein. Der strukturelle Aufbau der Seiten (z.B. h1-Tags) sowie die Struktur der internen Verlinkungen (Informationsarchitektur) sollten sich nur dann ändern, wenn man es wirklich beabsichtigt. Als Faustregel kann man festhalten, dass man lieber keine “Verbesserungen” zusammen mit dem technischen Relaunch ausrollt, da man bei Veränderungen der Sichtbarkeit (gleich ob nach unten oder oben) dann Probleme hat, auf mögliche Ursachen rückzuschließen.

Ein SEO Audit vor sowie eines nach dem Launch und dereen Ergebnisabgleich stellen das Mindestmaß empfohlener SEO-Maßnahmen für den Launch dar.

11) Go-Live Strategie

Der schlussendliche Go-Live ersetzt das bisherige System vollständig durch ein neues System. Es steht außer Frage, dass das neue System in geeigneter Umgebung ausgiebig auf Herz und Nieren geprüft und für gut befunden wurde. Für den laufenden bzw. letztmaligen Delta-Abgleich der Bewegungsdaten kann je nach Szenario ein pragmatischer Weg gefunden werden, der dann auch über das notwendige Wartungsfenster (Nichterreichbarkeit des Onlineshops) maßgeblich entscheidet. Bereitet man die Umstellung systematisch wie oben dargestellt vor, kann der Wechsel des Systems vollständig ohne maßgebliche Beeinträchtigung der User Experience, sprich ohne jede Downtime, erfolgen.

Welche wesentlichen funktionalen Unterschiede zwischen Magento und Shopware gibt es?

Die funktionalen Unterschiede sind vielfältig und lassen sich nur sinnvoll im konkreten Projekt beantworten. Ein Aspekt sei an dieser Stelle jedoch besonders hervorgehoben:

Magento ist insbesondere für sehr große und komplexe Onlineshops mit hohen Bestellvolumina geeignet. Das spiegelt sich u. a. im Aufbau der Datenstruktur wider. So gibt es beispielsweise verschiedene Produkttypen, die zueinander in Beziehung stehen. Gruppierte, gebündelte und konfigurierbare Produkte bilden dabei eine sogenannte “Eltern-Kind-Beziehung”, wenn eine Reihe einfacher Produkte (Kinder) unter einem Hauptprodukt (Eltern) zusammengefasst werden. In vielen Magento-Shops wird diese Funktion recht umfangreich und individuell genutzt, um bspw. Kind-Produkte dennoch über die Suche auffindbar zu machen oder Varianten einzeln in der Kategorie oder Produkt-Relationen anzuzeigen. Auch kann man bei Magento zwischen B2B und B2C zielgruppenspezifisch differenzieren.

Diese Dynamiken sind in Shopware nicht ohne weiteres möglich, da hier alle Produkte gleich behandelt und nicht zueinander in Beziehung gesetzt werden. Das kann insbesondere bei B2B-Shops oder Shops mit komplexen Produkten zu erheblichen Individualentwicklungen führen. Für kleinere Shops hingegen sind diese Funktionen meistens nicht notwendig. Die einfachere Datenstruktur in Shopware ist in diesen Fällen häufig sinnvoller, da sie übersichtlicher und intuitiver zu bedienen ist.

Welche Daten können migriert werden?

Um Shopbetreibern den Systemwechsel zu erleichtern, hat Shopware das Magento Migrations Plugin entwickelt. Mit diesem Migrations-Assistenten werden Daten wie Artikel, Kunden, Bilder usw. einfach und schnell von Magento 1 zu Shopware 6 übertragen.

DatenMigration von M1 zu SW 6 möglich?
Shopeigenschaftenja
Bestellstatusnein*
Zahlungsartennein*
Steuersätzenein*
Liefermethodennein*
Kategoriestrukturja
Bewertungenja
Herstellerja
Kundenkontenja
Adressdatenja
Bestellungenja
Artikelja
Eindimensionale Variantenja
Mehrdimensionale Variantenja
Eigenschaftenja
Artikelbilderja
Lagerbestandja

*) Diese Daten müssen nicht neu erstellt werden, es muss jedoch eine manuelle Zuordnung gemacht werden, da eine automatische Übertragung nicht möglich ist. Sie sollten daher zunächst in der Shopware 6 Administration angelegt und manuell dem jeweiligen Shopware Pendant zugeordnet werden. Einige Daten müssen in SW6 allerdings auch komplett neu angelegt werden, u.a. der Zahlungsanbieter

Magento und Shopware unterscheiden sich auch in der Bezeichnung der Produktattribute. So entsprechen “filterbare Attribute” in Magento den “Produkteigenschaften” in Shopware. “Nicht filterbare Attribute” in Magento werden in Shopware den Zusatzfeldern (“Custom Fields”) zugeordnet. Für die Migration ist es wichtig, dass die Attribute in Magento richtig konfiguriert sind, damit sie in SW6 der richtigen Kategorie zugeordnet werden.

Wie weiter oben beschrieben, ist Magento im Hinblick auf die verschiedenen Produkttypen sehr viel komplexer aufgebaut als Shopware. Gruppierte, gebündelte, virtuelle Produkte usw. sowie Eltern-Kind-Beziehungen können daher nicht 1:1 migriert werden.

Eine detaillierte Übersicht über die Migrationsmöglichkeiten verschiedener Produkte und Funktionen finden Sie hier.

Wieviel kostet eine Migration von Magento zu Shopware 6 und wie lange dauert das?

Ein Wechsel von Magento 1 zu Shopware 6 stellt, wie oben erläutert, nicht den schlichten Wechsel des Shopsystems in Form einer Art Update dar. Vielmehr beginnt man ein komplett neues Projekt, verbunden mit dem Anspruch und der Erfordernis, eine gewachsene Infrastruktur bestmöglich zu übernehmen und gleichermaßen zu modernisieren. Der Aufwand ergibt sich somit aus dem Anforderungskatalog und wird über den Kosten eines “komplett neuen Shops” liegen. Eine Idee der Kosten kann man sicherlich daraus ableiten, die bisherigen Entwicklungskosten des Status Quo über die gesamte Laufzeit zu summieren.

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