Was ist so toll am Hyvä-Theme?

Von Alexandra Vollmer
16. Juli 2021
Lesezeit: 4 Minuten

Seit seiner Vorstellung auf der Reacticon Conference 2020, spätestens aber seit dem Release Anfang Februar 2021, sorgt das neue Magento-2-Theme Hyvä des Entwicklers Willem Wigman für Aufsehen in der Magento-Community. Vinai Kopp, Magento-Programmierer aus Leidenschaft, arbeitet mit dem Erfinder des Themes, Willem Wigman, eng zusammen. Wir haben mit ihm gesprochen.

Vinai, wie würdest Du Hyvä einem Shopbetreiber ohne Programmierer-Gen erklären?

Das ist einfach. Ich würde sagen: “Mit Hyvä wird dein Shop zukunftsfähig in Sachen Google Ranking.”

Inwiefern? 

Bei gleichwertigem Content hebt Google Performance-Aspekte verstärkt auf die Ranking-Agenda. Hier werden Magento-Shops zunehmend abgestraft. Die hohe Komplexität, verbunden mit einer riesigen JavaScript-Menge gehen zu Lasten der Performance. Ein echtes Problem für Magento-Shops. Dieses Problem zu lösen – genau dafür ist Hyvä gemacht.

Und wie genau löst Hyvä das Magento-Performance-Problem?

Indem es auf alles Überflüssige verzichtet. Magento ist hoch komplex. Das macht es langsam und schwer zu bearbeiten. Im Grunde ist es wie eine übervolle Wohnung. Es ist für jeden Bedarf etwas da, aber man kommt einfach nicht mehr durch. Und den Großteil hat man seit zehn Jahren nicht mehr angefasst. Wenn man hier ausmistet, gehts einem viel besser. Genau das macht das Hyvä-Theme. Nach einer radikalen Reduzierung des JavaScript-Codes arbeitet das Magento-System um Welten schneller.

Verstehe. Wie kam es denn dazu? Seid Ihr, Willem und Du, morgens aufgewacht und habt Euch gedacht: “So, jetzt misten wir Magento mal aus?”

(lacht) Nicht ganz. Bei Willem gab es ein Schlüsselerlebnis. Jahrelang hat er an der Performance-Optimierung von Magento gearbeitet. Dann kam ein kleines Google-Update, und alles war für die Katz. Dann hat seine Frau ihn gebeten, einen Shop für sie zu bauen. In dem Moment hat Willem beschlossen, es anders zu machen. Er hat einfach den ganzen Schrott weggeworfen. Schon nach zwei Tagen stand der erste Prototyp. Und es hat sich gezeigt, dass er in realen Anwendungen tragfähig ist. Bei mir war es fast genau so.

Du hast auch alles weggeworfen? 

Fast. Ich habe zehn Jahre meines Lebens ins Magento investiert. Ich war ein echter Fan. Ich mochte die Flexibilität von Magento und vor allem den starken Community-Geist.

Mochte?

Ja. Das Frontend von Magento 2 war ein echter Pferdefuß. Davon habe ich mich die letzten zwei Jahre fern gehalten. Ich hatte keine Lust, immer gegen das System zu arbeiten. Es war müßig und frustrierend. Und ich hätte beinahe alle hingeschmissen. Dann hörte ich vom Hyvä-Theme. Ein Gespräch mit Willem hat mich überzeugt. Ich fand das Theme richtig cool. Dadurch konnte Magento wieder ganz von mitspielen. Ich war wieder dabei. Seitdem arbeiten Willem und ich eng zusammen.

“Mit Hyvä wird dein Shop zukunftsfähig in Sachen Google Ranking.”
Vinai Kopp, Magento-Entwickler aus Leidenschaft.

Du sagtest schon, dass das Ausmisten des Shopsystems beim Google-Ranking hilft. Was liegt für Dich noch auf der Haben-Seite? Womit kann Hyvä punkten?

Mit Geschwindigkeit. Mit dem Hyvä-Theme lassen sich Shop-Systeme wesentlich schneller bauen. Ein Drittel weniger Zeit zu brauchen, ist ein Riesen-Plus für den Kunden. Hyvä macht es auch leichter, Innovationen am Markt zu nutzen. Wenn beispielsweise Werkzeuge entwickelt werden, die das Programmieren effizienter machen, dann funktionieren die bei Hyvä einfach. Mit anderen Systemen, wie beispielsweise PWA oder Luma, geht das nicht so einfach, beziehungsweise es braucht viel Anpassungsaufwand.

Noch etwas?

Naja, und wir Programmierer sind einfach glücklicher. (schmunzelt) Es macht mehr Spaß, mit etwas zu bauen, das gute Ergebnisse bringt. Nicht gegen das Framework arbeiten zu müssen. Ich arbeite an einem System, in dem ich mich unterstützt fühle. Das fühlt sich sehr gut an.

Gibts einen Haken?

Wenn man Module von Dritthändlern nutzt, dann sind diese in der Regel für Luma gebaut. Damit sie mit Hyvä funktionieren, braucht man ein passendes Kompatibilitäts-Modul. Ich muss hier quasi nochmal das Gleiche machen, was ich für Magento gemacht habe. Entkernen. Da Onlineshops immer individueller werden, kommt man beim Frontend aber sowieso nicht mehr um eine Anpassung herum. Die können wir uns also auch nicht sparen, wenn wir mit Luma arbeiten. Wir haben für dieses Kompatibilitätsmodul eine gute Dokumentation in Hyvä geschrieben, so dass Entwickler es relativ leicht programmieren können. 

Du hattest vorhin die PWA erwähnt. Warum greift man nicht darauf zurück, um die Performance der Seite zu beschleunigen? 

Für eine Performance im Google-Sinne braucht es radikal weniger JavaScript. Man kann nun versuchen, das JavaScript der PWA unendlich zu komprimieren. Aber was bringt das? Es macht einen Riesen-Aufwand. Und am Ende haben wir zwei Programme, die dann wieder miteinander reden müssen. Der hohe Aufwand macht eine solche Lösung insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen unattraktiv. Da bleibe ich doch lieber im Magento-Core. Das geht deutlich einfacher und spielt dem Magento-Programmierer in die Hände. Er kann einfach weiter PHP nutzen.

Wer sollte Hyvä nutzen? Für wen ist es ggf. nicht geeignet?

Hyvä ist für alle Unternehmen geeignet, die Wert auf eine gute Performance ihrer Online-Shops legen. Also für alle. (schmunzelt)

Arbeitet Ihr weiter an Hyvä? Womit können wir in Zukunft rechnen?

Im Grunde geht die Reise hin zu immer schnelleren Lösungen. Unsere Vision ist es, eine Library mit fertigen Modulen zu bauen. Vergleichbar mit der Tailwind ui. Aber für Magento. Fertige, auf e-commerce zugeschnittene Komponenten, die sich einfach austauschen lassen. Hyvä ersetzt das Template, CSS und JS.

Vinai, was ist für Dich das Beste an Hyvä?

Ich finde es einfach großartig, dass Magento wieder rockt. Gerade kleinen und mittelständischen Kunden können wir jetzt Magento wieder empfehlen. Denn Hyvä nimmt das Over-Engineerte raus und macht die Shop-Lösung schnell und effizient.

Und ich freue mich, dass die Magento-Community wieder zum Leben erwacht ist. Gerade diese starke Community, die solche Innovationen trägt – die brauchen wir. Wenn wir selbst dafür sorgen, dass wir etwas Großartiges schaffen, dann sind wir unabhängig von den Adobes dieser Welt. Ich spüre, da geht noch ganz viel. Es fängt grad erst an.

Danke, Vinai, für das Gespräch!

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