Headless-CMS: Das sollten Sie beachten

Von Alexandra Vollmer
16. Juni 2021
Lesezeit: 3 Minuten

Vor einiger Zeit haben wir schon mal über das Thema “Headless-CMS” geschrieben. Sie machen insbesondere Content-Managern das Leben leichter, die verschiedenste Seiten und Applikationen über diverse Endgeräte hinweg bedienen müssen. Mit einem Headless-CMS können Inhalte einmalig produziert und auf jedem beliebigen Gerät oder Touchpoint ausgespielt werden. Das verschafft Unternehmen eine enorme Flexibilität. Eine feine Sache. Das Modell hat uns neugierig gemacht – und wir haben es gemeinsam mit einem unserer Kunden ausprobiert. Eine Erkenntnis vorab: Es lohnt sich, genauer hinzuschauen. Vor allem auf diese vier Aspekte sollten Unternehmen achten, wenn sie auf ein Headless-CMS umstellen: 

1. Ist Interaktionsfähigkeit gegeben?

Headless-CMS funktionieren gut, solange der Datenfluss in eine Richtung geht. Sollen nur Inhalte ausgegeben werden, ist alles easy. Anspruchsvoller wird es, sobald das CMS auch Daten verwerten soll. Planen Unternehmen beispielsweise eine Kommentarfunktion im Blog oder ist der Blog hinter einer Paywall, dann ist eine gut funktionierende Interaktion entscheidend. Im Gegensatz zum herkömmlichen CMS, das eine Interaktion bereits im System berücksichtigt, verfügen Headless-CMS in der Regel über keine solche Funktion. Einige Headless-CMS verweisen in ihren Features auf Lösungen von Drittanbietern, beispielsweise Disqus. Das funktioniert, macht die Sache aber zunehmend kompliziert. Unternehmen, die auf eine hohe Interaktionsfähigkeit ihres CMS Wert legen, sollten eine Umstellung auf ein Headless-CMS gut planen.

Das Headless-CMS stellt das Formular dem Frontend zur Verfügung.
Es muss anschließend in der Lage sein, die abgesendeten Daten der Nutzer:innen zu verarbeiten.

2. Unübersichtlichkeit in der Anwendung 

Bei kompletten CMS, wie beispielsweise WordPress, bewegt man sich als Anwender wie auf Schienen. Eingabemasken sind eindeutig definiert. Links oder rechts ausscheren, ist unmöglich. Ein festes Raster also, das keine Flexibilität erlaubt. Für Extras müssen Unternehmen ein separates Plugin programmieren oder kaufen. Anders hingegen bei Headless-CMS. “Hier können sich Unternehmen ihr Datenschema selbst zusammenstellen – ganz einfach per Klick”, weiß Lukas, Programmierer bei dmf. Unternehmen könnten also ihre Eingabemaske sehr individuell gestalten. Das sei ein Vorteil, mit dem man jedoch achtsam umgehen müsse, denn: “Steht das Frontend, so bleibt die Flexibilität trotzdem erhalten, sprich, der Anwender kann nicht nur Daten eingeben, sondern auch Veränderungen vornehmen.” Schienen gäbe es nicht. Heißt konkret: Der Anwender kann durch eine scheinbar harmlose Veränderung der Eingabemaske ein komplettes Frontend nachhaltig umbauen. “Ein Riesen-Problem, weil es in der Regel kein Backup fürs Datenschema gibt”, warnt Lukas. Um das zu verhindern, brauche das System eine passende Benutzerberechtigungskonfiguration. Unternehmen sollten bei der Auswahl ihres Headless-CMS darauf achten, dass eine solche Konfiguration möglich ist. 

3. Zusätzliche Entwicklerkosten

Headless-CMS sind ohne Programmierer nicht nutzbar. Unternehmen können zwar das Datenschema relativ einfach zusammenbauen. Am Ende steht dann aber zunächst ein Riesen-Code-Block. Noch kein Frontend. Um als Anwender auf das Datenschema zugreifen zu können, braucht es einen Entwickler, der aus dem Datenschema ein Frontend baut. “Im Grunde ist das Headless-CMS nichts anderes als eine frei programmierbare Schnittstelle”, erklärt Lukas. “Als Entwickler muss ich mir die Daten von der Schnittstelle holen und daraus ein Frontend bauen.” Dafür gäbe es keine allgemeingültige Lösung, so Lukas. Das sei nur schlüssig. “Wenn ich im Datenschema alles frei wählen kann, dann muss ich auch bei der Frontend-Entwicklung auf die grüne Wiese.” Unternehmen, die sich für ein Headless-CMS entscheiden, sollten daher ein entsprechendes Kontingent an Entwicklungszeit berücksichtigen. 

4. Preview-Funktion hinterfragen

Wer einen Blogbeitrag schreibt, der will sich diesen vor Veröffentlichung ansehen. Das kennen wir aus eigener Erfahrung. Eine Vorschaufunktion, wie wir sie beispielsweise bei WordPress haben, ist daher im Blog-Alltag wichtig. Headless-CMS haben naturgemäß kein Frontend – also auch keine Möglichkeit, eine Vorschau anzuzeigen. Einige Headless-CMS-Anbieter haben sich dafür etwas überlegt. “Storyblok beispielsweise löst das cool”, berichtet Lukas. “Man kann eine definierte URL im Interface von Storyblok laden – quasi ein Browser im Browser.” Dort könne man sich die Vorschau ansehen und zwischen verschiedenen Umgebungen wie lokal, Test und Produktumgebung hin- und herschalten. Unternehmen sollten sich vor der Umstellung informieren, was das jeweilige CMS für Preview-Lösungen anbietet.

Unser Fazit: Headless-CMS sind eine gute Option für Unternehmen, die eine besonders flexible Lösung für ihr Contentmanagement anstreben. Sie bestechen durch eine hochgradig individuelle Frontendgestaltung, die sich über viele Kanäle spielen lässt. Um die Komplexität erfolgreich zu managen, braucht es Anwender, die in der Dateneingabe genau wissen, was sie tun. Es ist im Grunde wie im richtigen Leben: Für die einen ist eine Idee perfekt, für die anderen macht sie keinen Sinn – einfach, weil sie unter anderen Rahmenbedingungen agieren. Reflektieren lohnt sich – auch und gerade bei einer Systemumstellung.

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